2026 – Zeitungsartikel zum Sippentreffen

Axthelms überall: Sogar in der Antarktis hat ein Thüringer Bauerngeschlecht Spuren hinterlassen

Aus „Thüringer Allgemeine, 02.06.2026“ von Armin Burghardt

1150 Jahre für die alte Heimat, 250 Jahre für die neue hinterm großen Teich und 435 Jahre Familiengeschichte: Wie das alles zusammenpasst.

Gruppenbild Sippentreffen 2026

Familie Axthelm beim Sippentreffen in Ostramondra 2026. © Kai Axthelm

Demnächst (26. bis 28. Juni) feiert Rettgenstedt, wo das 2016 wiedererrichtete Axthelm-Denkmal auf Axthelm-Grund steht, 1150 Jahre seiner urkundlichen Ersterwähnung. Am 4. Juli begehen die USA ihren 250. Geburtstag. Zeitlich dazwischen [am 30.05.2026] haben die Axthelms gerade auf 435 Jahre überlieferte Familiengeschichte geschaut. Und irgendwie fügt sich alles zusammen.

Kai Axthelm vom Hofladen Axthelm in Ostramondra neben seiner Frau

Kai Axthelm vom Hofladen Axthelm in Ostramondra neben seiner Frau

„Ich habe eine Bekannte in der Alten Molkerei in Kölleda. Sie wollte wissen, was bei uns los ist. Das ganze Hotel ausgebucht – und alle heißen Axthelm!“, sagt Kai Axthelm. Der Ostramondraer Landwirt, Fleischer und Vorsitzende des Heimatvereins Ostramondra/Rettgenstedt lacht. „Auf dem Caravanstellplatz sieht es nicht anders aus!“

In Ostra­mon­dra war am Wochen­ende Axt­helm-Tref­fen, das dritte nach 1939 und 2016.

„Eigent­lich hät­ten wir uns schon 2021 wie­der­tref­fen wol­len. Aber das ging dann wegen Corona nicht. Mein Vater hat dann schon letz­tes Jahr im Januar den 30. Mai 2026 als neuen Ter­min fest­ge­legt. Zehn Jahre danach also“, erzählt Kai Axt­helm.

Das erste Treffen 1939 hatte der Eckartsbergaer Pfarrer Heinz Axthelm (1909 bis 1981) organisiert. Er war es auch, der die Familiengeschichte akribisch untersuchte und nach Studium der Kirchenbücher mit oftmaligen Axthelm-Nennungen (Bachra, Ostramondra, Rettgenstedt, Olbersleben und Lossa) sich eine „klare Übersicht bis 1591“ verschaffte und feststellte, „dass das Geschlecht Axthelm schon um 1500 ein altansässiges Bauerngeschlecht in Deutschland, und zwar im Unstrut-Winkel zwischen Kölleda und Laucha war“.

Am Samstagnachmittag waren nun 77 Nachfahren von […] Axthelm […] im Dorfgemeinschaftshaus von Ostramondra bei Kaffee und Kuchen versammelt.

Den Namen Axthelm führt man auf den Begriff Axtholm, also den Stiel einer Axt, zurück. Er ziert auch, neben einer stehenden (aufstrebenden) Eichel, das schlichte blau-gelbe Familienwappen, das die Axthelms führen durften, nachdem das Bauerngeschlecht [in einer Seitenlinie] sogar in den Adelsstand erhoben worden war.

„Heute leben mehr Axthelms in Amerika als in Deutschland“, weiß Herta Keil, auch eine geborene Axthelm, zu erzählen.

Zwei der Auswanderer-Nachfahren von hinterm großen Teich waren am Wochenende nach Ostramondra gekommen. John Joshua Axthelm, Architekt aus Montana und zuvor Nebraska, war mit einer seiner sieben Töchter nach Deutschland gekommen. Dazu hat er noch zwei Söhne, erzählt er.

„Ich liebe es hier“, sagt er. 1992 war er mit seinen Eltern in Ostramondra. „Wir haben damals eine Dorfrunde gedreht“, erinnert sich Herta Keil. „Seine Mutter hat seinem Vater damals, als sie den Zustand der Straßen sah, zugeflüstert, dass sie nun verstehen könne, warum seine Vorfahren von hier weg wollten“, sagt sie lachend. John Joshua Axthelm bestätigt die Geschichte. Inzwischen habe sich einiges getan. Für ihn ist das Sippentreffen der Auftakt einer Europareise. Von Ostramondra geht es über Frankfurt, Paris und Amsterdam nach Rom, wo er studiert hat. Das erste Neuzeit-Sippentreffen hatte er noch verpasst. „Damals war das zu teuer mit den Kindern“, erzählt er.

Karl-Ulrich, Christopher, Sebastian Axthelm

v.l.n.r.: Karl-Ulrich A. (Sippentreffen Organisator), Christopher A. (USA), Sebastian Axthelm (Website-Admin)

Der andere Amerika-Axthelm in der Runde, Christopher, trägt das Zeichen seiner Verbundenheit direkt über dem Herzen. Der Mann aus Washington D.C. hat sich das Familienwappen als Tattoo stechen lassen. In Ostramondra zeigt er aufgeregt auch eine Landkarte herum. Es ist eine der Antarktis. Unter den Koordinaten 69 Grad 30 Minuten südlicher Breite und 159 Grad 0 Minuten östlicher Länge befindet sich dort Axthelm Ridge, ein schmaler, rund 6,5 Kilometer langer Gebirgskamm an der Oates-Küste. Benannt ist er nach Commander Charles E. Axthelm (geb. 1928). Christopher zeigt auf dem Handy Fotos von ihm und seinen Orden.

„Jetzt ist auch noch Rolf Axthelm gekommen“, ruft Karl-Ulrich Axthelm den nächsten Ankömmling aus. Rolf lebt in Brasilien. „Nun warten wir nur noch auf die Kanadier.“

links Christiane Axthelm mit Teilnahme Urkunden

links Christiane Axthelm mit Teilnahme Urkunden

Karl-Ulrich Axthelm aus Zeitz hat den Überblick. Er hat alle Kontakte archiviert, die Einladungen verschickt. Seine Frau Christiane saß am „Einlass“, vermerkte die Anreise und gab Teilnehmerurkunden aus.

Es gibt Axthelms auch in Dänemark, Australien, der Schweiz und in anderen Regionen Deutschlands natürlich auch.

Klar, dass es da eine Menge zu erzählen gibt. Vielleicht auch über Lena Louise Axthelm, die 1826 bis 1829 im Hause Goethe als Köchin tätig war. Oder über die 1869 in Eisenach gegründete Hof-Wagenfabrik Darr & Axthelm und den späteren Karosserie- und Luxuswagenbau Axthelm in Weimar.

© Thüringer Allgemeine Sömmerda
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